<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?>
<?xml-stylesheet href="http://www.kulando.de/styles/rss.css" type="text/css"?>
<rss version="2.0" 
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
>
 <channel>
  <title>Ralviehversum - Was so hängenbleibt</title>
  <link>http://Ralvieh.kulando.de</link>
  <description></description>
  <pubDate>Tue, 22 Jan 2013 16:56:52 +0100</pubDate>
  <generator>http://www.lifetype.net</generator>
    <item>
   <title>Film-Check 13/2011: &quot;Ich bin Nummer Vier&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Ich bin Nummer Vier&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;USA 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;110 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;D.J. Caruso&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td valign=&quot;top&quot;&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Alex Pettyfer, Timothy Olyphant, Teresa Palmer, Dianna Agron&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Cinemaxx, Kino 4&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;28. März 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;19:00&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/58673-3stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die Mork..., die Moko..., jedenfalls die, die im vorliegenden Film die Rolle der Klingonen bzw. von Voldemort spielen, haben den Planeten Lorin ausgerottet. Nur neun mit besonderen Gaben ausgestatteten Babies gelang die Flucht zur Erde. Doch die Bösen haben sie ausfindig gemacht und die ersten drei Kids getötet. &quot;John Smith&quot; (Alex Pettyfer) ist Nummer Vier.&lt;br&gt;
Er ist mit seinem Beschützer Henri (Timothy Olyphant) mal wieder umgezogen - diesmal ins verschlafene Paradise/Ohio. Hier trifft John die niedliche Sara (Dianna Agron), die in ihm ungeahnte Kräfte weckt. Und die dafür verantwortlich ist, dass sich John einem erneuten Umzug widersetzt - obwohl die Mo..., na die Bösen halt, ihm immer dichter auf die Fersen rücken.&lt;br&gt;
Es entwickelt sich die übliche Mixtur aus Action, Teenager-Liebe, Coming-of-Age, Freundschaft und hormonellen Verwirrungen.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aus Pflichtgefühl. Ist halt ein Science-Fiction-Film.&lt;br&gt;
Außerdem lagen die Anfangszeiten für &quot;True Grit&quot; total dämlich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Ist der Papst Moslem?&lt;br&gt;
Insgesamt wurde zu viel Zeit mit hormondurchsifften Teenager-Geschichten und CGI-Action verschwendet. Dafür gibt es erhebliche Mängel im Gerüst der Story. Im einzelnen:&lt;br&gt;
Von der Vorgeschichte auf dem Planeten Lorin erfährt man zu wenig. Warum haben gerade neun Kids den Absprung geschafft, warum mussten ausgerechnet drei von ihnen sterben, bevor der Film losgeht? Was bewegt die Mo..., na die Bösen halt? Was geschah mit Sams (Callan McAuliffe) Vater wirklich? Woher kam Marks (Jake Abel) 180-Wendung am Schluss (und woher wusste er, wie wichtig die Schachtel für John ist)? Wie funktionierte die Drusenortung von John und Nummer Sechs? Was befindet sich überhaupt in der Schachtel von Johns Vater?&lt;br&gt;
Aber das Schlimmste von allen: Warum interessieren mich die Antworten gar nicht wirklich?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Durchweg wie farblose Abziehbilder von bekannten Vorlagen (Star Trek, Harry Potter, Twilight).&lt;br&gt;
Auch die australische Nachwuchsschauspielerin Teresa Palmer bleibt nur wegen ihrer Rolle und ihrer Lederkleidung im Gedächtnis - und nicht wegen der Art wie sie beides ausfüllt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Ja. Sie arbeiten handwerklich solide und bedienen zielsicher jedes Klischee.&lt;br&gt;
Aber das rettet den Film auch nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Der Film an sich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Teresa Palmer als wummenschwingende Motorradbraut mit blonder Löwenmähne und Sonnenbrille.&lt;br&gt;
Ach ja - der Hund war süß! Zumindest bis zu seiner Verwandlung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Als die Mo..., na die Bösen halt, mit ihrem Auto eine typisch amerikanische Übergewichts-Familie überholen, der eine Mo... der wabbelbäuchigen Teenager-Tochter auf dem Rücksitz sein Kiemengesicht offenbart - und dann ihr Blick, als ihr fast die Chips wieder aus dem Mund krümeln. &lt;b&gt;&lt;i&gt;Das&lt;/i&gt;&lt;/b&gt; war echt cool!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
1. Behaltet den Himmel im Auge!&lt;br&gt;
2. Gesegnet ist, wer die Jugend hinter sich gelassen hat! All die Verwirrungen, die Identitätssuche, die Hormonattacken... Nein, danke, nicht noch mal!&lt;br&gt;
3. Wie kann ein derart schlechter Film seine Produktionskosten wieder einspielen? Wer für solche Machwerke Geld an der Kinokasse lässt, gehört geohrfeigt! &lt;i&gt;(Wer fängt damit bei mir schon mal an?)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Zwei junge Männer in der Reihe hinter mir haben sich ständig unterhalten. Je länger der Film dauerte, um so mehr unterhielten sie auch mich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Unbekömmlicher Cocktail aus Star Trek, Twilight, Harry Potter und Teenagerliebe-im-US-Dorf-Filmen mit wenig Substanz, vielen Klischees und viel zu vielen losen Fäden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/58673-3stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;3&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; Fotokameras mit Lichteinfall
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;font size=&quot;1&quot;&gt;Wen es wirklich interessiert: Die pitterpösen Planetenausrotter heißen Mogadorians.&lt;br&gt;
Aber das musste ich recherchieren - aus dem Film habe ich es mit nicht gemerkt!&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/29/film-check-13-2011-ich-bin-nummer-vier</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/29/film-check-13-2011-ich-bin-nummer-vier</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/29/film-check-13-2011-ich-bin-nummer-vier</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Tue, 29 Mar 2011 13:25:35 +0200</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 12/2011: &quot;Wer wenn nicht wir&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Wer wenn nicht wir&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Deutschland 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;126 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Andres Veiel&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Neues Arena, Kino 1&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;15. März 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;19:00&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Schriftsteller und Verleger Bernward Vesper (August Diehl) und der Pastorentochter und späteren RAF-Terroristin Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis).  Die beiden lernen sich im Studium kennen. Vesper gründet einen Verlag, um die vergessenen Werke seines Vaters, des Blut-und-Boden-Dichters Will Vesper, wieder herauszubringen. Bald bemerken die beiden allerdings, dass das weder zum Zeitgeist noch zu ihren eigenen Überzeugungen passt.&lt;br&gt;
Während der Umbrüche des Jahres 1968 engagieren sich die beiden bei linksintellektuellen Zirkeln. Hier lernt Gudrun Andreas Baader kennen und lieben. Wenige Monate nach der Geburt ihres Sohns Felix verlässt Gudrun ihren Verlobten Bernward und ihr Kind, um mit Andreas Baader gemeinsam die erste Generation der RAF zu gründen.&lt;br&gt;
Bernward erleidet einen psychotischen Schub und begeht 1971 Selbstmord. Gudrun wird nach einer beispiellosen kriminellen Karriere 1972 verhaftet und begeht 1977 gemeinsam mit Andreas Baader und Jan-Carl Raspe in der Strafanstalt Stuttgart-Stammheim Selbstmord.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wegen der Thematik 1968 und der Gründe für den deutschen Terrorismus. Und wegen einiger hervorragender Kritiken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das Leben schreibt manchmal die besten Stories. So wohl auh hier. Vesper und Ensslin werden dargestellt als typische Vertreter der Nachkriegsgeneration - zerrissen zwischen bürgerlichen Werten und Prägungen auf der einen und dem Protest dagegen und gegen die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit auf der anderen Seite. Auch der Versuch, Privates und Politisches gleichzusetzen und der damit verbundene Verlust von Intimität wird deutlich herausgearbeitet. Immer wieder kollidieren äußere Zwänge und wirtschaftliche Notwendigkeiten mit dem Wunsch, ein authentisches, ganzheitliches Leben ohne Kompromisse zu führen.&lt;br&gt;
Bei Ensslin führten diese Spannungen zur Gewalt, bei Vesper in den Wahnsinn. Leider werden gerade die wichtigen Wendepunkte gegen Ende des Films etwas kurz und oberflächlich abgehandelt - und damit dem Zuschauer nicht vollständig verständlich gemacht&lt;br&gt;
Daneben versucht das Drehbuch noch das Psychogramm einer Frau, die ihre Familie, sogar ihr frisch geborenes Kind zugunsten des geradlinigen Tatmenschen Andreas Baader verlässt, dem sie rettungslos verfällt. Auch wenn er sie schlägt.&lt;br&gt;
Nur an wenigen Stellen werden die Dialoge zu explizit pschologisierend und erklärend. Aber das hält sich zum Glück noch im Rahmen.&lt;br&gt;&lt;br&gt;
Aber nochmal: Ist da Drehbuch gelungen?&lt;br&gt;
So gelungen oder misslungen wie das oder die Leben, die es erzählt. Auf jeden Fall erhellt es ein  Kapitel, das tiefe Wunden in der deutschen Geschichte hinterlassen sollte. Und räumt glechzeitig mit vielen romantisierenden 68er-Klischees auf, trägt vielleicht zu einem realistischeren Verständnis des Umbruchjahrs bei.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
August Diehl spielt seinen Bernward Vesper großartig. Dessen inneren Konflikte macht er immer spür- und erlebbar. Zunächst der Widerspruch zwischen der Verpflichtung gegenüber dem Werk seines Vaters und der inneren Abkehr von dessen Nazi-Vergangenheit. Später, als Gudrun Ensslin mit Andreas Baader ins Bett geht, der Kampf zwischen archaischer Eifersucht und intellektuell verordneter Progressivität, auch und gerade bezüglich der Sexualmoral. Was Diehl hier mit kleinsten mimischen Nuancen, manchmal einer kaum wahrnehmbaren Kopfbewegung oder einem Luftstoß durch die Nase, zum Ausdruck bringt, verdient höchste Anerkennung.&lt;br&gt;
&lt;i&gt;(Aber ist Diehl wirklich so fett, wie er bei seinem Nacktauftritt auf dem Hinterhof des Wohnhauses wirkt?)&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
Dagegen fällt Lena Lauzemis ein wenig ab. Anfangs ist die Auseinandersetzung Gudrun Ensslins mit ihrem bigotten Elternhaus (ihr Vater, ein Pastor, lehnt Hitler demonstrativ ab, hat sich aber 1941 freiwillig zur Reichswehr gemeldet) und ihre zunehmende Emazipation klar nachvollziehbar. Aber der Schwenk zum Macho Baader, die zunehmende Hörigkeit, vor allem die Akzeptanz von Baaders Gewalt gegen sie selbst nimmt man ihr nur schwer ab. Vielleicht, weil solch eine Wandlung insgesamt schwer nachvollziehbar bleibt?&lt;br&gt;
Ein Highlight ist auch Alexander Fehlings Darstellung des Andreas Baader. Der Proll und Tatmensch will anfangs so gar nicht in die linksintellektuelle Clique passen, die zwar eloquent extremste Ansichten formuliert, aber kneift, wenn man zur Tat schreiten sollte. Baader ist ein Macho, der sich einfach nimmt, was er haben will. Genau diese Geradlinigkeit und Konsequenz führt ihn zwangsläufig auf die Schiene von Gewalt und Terrorismus. Fehling macht mit seiner Darstellung durchaus klar, weshalb ein Arschloch wie Baader solch eine Attraktion auf Gudrun Ensslin ausüben konnte. So stark, dass sie nicht nur den etwas blutleeren und manchmal zögerlichen Bernward Vesper verlässt, sondern auch ihren frischgeborenen Sohn Felix.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das Bild wirkte ziemlich gekörnt, an einigen Stellen gar gepixelt. Lag es an der Leinwand bzw. am Projektor im &quot;Neuen Arena&quot;? Wurde womöglich eine DVD auf der relativ kleinen Leinwand abgespielt? Oder wollte Andres Veiel womöglich die Anmutung von Fernsehbildern aus den 60er Jahren wiedergeben? Wie dem auch sei: das war ein echter Minuspunkt!&lt;br&gt;
Ansonsten kam der ganze Muff im Nachkriegsdeutschland der 60er-Jahre mit seinen Verdrängungen, seinen Lebenslügen und der Sauberkeit und Anständigkeit, mit der die Fassade gepflegt wurde, perfekt rüber. Und die ganzen inneren Zerrissenheiten, unter denen die Nachkriegsgeneration litt - und die in den späten 60ern nur langsam und zögerlich artikuliert werden durften.&lt;br&gt;
Auch die sexuelle Verklemmtheit auf der einen und der etwas verkrampft-übertriebene Protest dagegen wurde ansatzweise thematisiert. Vor allem zwei Nacktaufnahmen von Gudrun Ensslin atmeten den Geist von Kommunenexzessen und die Ästhetik von Zeitgeist-Journalen wie der &quot;Quick&quot;. Damals riefen solche Aufnahmen noch öffentliche Empörung hervor. Heute würde man sich eher über Ensslins unrasiertes Dreieck aufregen.&lt;br&gt;
Einige Kritiker störten sich an der Montage von Original-Filmmaterial aus der Zeit. Ich habe es als Orientierungshilfe geschätzt, um die privat-politische Geschichte in den historischen Kontext einzuordnen. Was mich jedoch störte: dass Lieder aus den 60ern nicht in der Originalversion gespielt wurden (z.B. &quot;Summer in the City&quot; nicht von den Lovin&#039; Spoonful, sondern in einer Cover-Version).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das gekörnte Bild und die wenig nachvollziehbaren psychischen Wandlungen von Gudrun und Bernward am Ende.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
August Diehl, Alexander Fehling und ein unverfälschter, unromantisierter Blick auf die 60er-Jahre und die Gründe für den deutschen Terrorismus der RAF.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&quot;Katzen passen nicht zu uns. Die kommen aus dem Orient. Sie sind die Juden unter den Tieren.&quot; &lt;i&gt;(rassische korrekte Erkenntnis von Bernwards Vater Will Vesper)&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
&quot;Der Frau treu bleiben - die Partei wechseln&quot; &lt;i&gt;(Vorschlag von Gudrun Ensslin für einen SPD-Wahlslogan)&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
&quot;Ohne den Führer hätte es dich gar nicht gegeben. Dein Vater wollte keine Kinder. Aber dem Ruf des Führers konnte man sich nicht entziehen.&quot; &lt;i&gt;(Mutter Vesper berichtet Bernward über seine Entstehungsbedingungen)&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
&quot;Go home, kill your father and your mother, and hang yourself!&quot; &lt;i&gt;(Ratschlag des Black-Panther-Führers XX an Bernward Vesper)&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
1. 1968 war nicht nur Gruppensex, Flower Power und Woodstock.&lt;br&gt;
2. Die Akzeptanz der eigenen Inkonsequenz ist wichtig für die eigene Gesundheit.&lt;br&gt;
3. Der Anblick naturbehaarter, nackter Menschen wirkt heute nicht mehr skandalös, sondern nostalgisch.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nö. Schon mehr als genug gelabert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die Liebesgeschichte zwischen Bernward Vesper und Gudrun Ensslin, an der exemplarisch das wahre Gefühl der 68er-Generation veranschaulicht und die Entstehungsbedingungen für den deutschen RAF-Terrorismus deutlich gemacht werden sollen. Letzteres gelingt weitgehend, aber nicht vollständig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;7&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; Zungenküssen im Gerichtssaal
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/19/film-check-12-2011-wer-wenn-nicht-wir</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/19/film-check-12-2011-wer-wenn-nicht-wir</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/19/film-check-12-2011-wer-wenn-nicht-wir</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Sat, 19 Mar 2011 17:38:08 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 11/2011: &quot;Der Plan&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Der Plan&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;USA 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;110 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;George Nolfi&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Cinemaxx, Kino 1&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;12. März 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;17:45&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Dave Norris (Matt Damon) versaut sich die sichere Wahl zum jüngsten Senator aller Zeiten selbst durch einen Unfug. Am Wahlabend trifft er in der Hoteltoilette Baletttänzerin Elise (Emily Blunt), die ihn zu einer ungewöhnlichen Abschiedsrede inspiriert. Einige Tage später trifft Dave im Büro seines Wahlkampfleiters auf seltsame Herren in Uniform, die irgendwelche Manipulationen mit seinem Freund vornehmen. &lt;br&gt;Eigentlich hätte Dave diese Herren mit Kopfbedeckung gar nicht sehen dürften. Sie sind dafür zuständig, dass die Welt einen mysteriösen &quot;Plan&quot; einhält und sollen Abweichungen korrigieren. Eine heftige Abweichung droht, wenn Dave und Elise tatsächlich zusammenfinden sollten. Dave geht zum Schein auf die Abmachung ein, sucht aber trotzdem in den nächsten vier Jahren beharrlich nach Elise. Aber wie mächtig sind diese Hutträger tatsächlich?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das Thema &quot;zweite Wirklichkeit&quot; interessierte mich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Insgesamt schon. Leider kenne ich die Vorlage, Philip K. Dicks Story &quot;The Adjustment Team&quot;, nicht.&lt;br&gt;
Niedlich ist die satirische Sicht  auf himmlische Bürokratie und die geschäftsmäßige Darstellung der &quot;Engel&quot;. Vor allem das schlechte Gewissen von Mitchell (Anthony Mackie) und seine Sympathie Dave gegenüber sind süß.&lt;br&gt;
Die Story entwickelt sich habwegs folgerichtig auf ihren Höhepunkt zu. Natürlich kriegen sich Dave und Elise, obwohl sie nicht mehr füreinander bestimmt sind. Aber der Weg dorthin ist kaum vorhersehbar.&lt;br&gt;
Was allerdings störte: einige viel zu lange erklärende Dialoge, die den Gang der Handlung hemmen und so für Längen sorgen. Außerdem erschienen die Kompetenzen und Fähigkeiten der &quot;Engel&quot; und vor allem deren Grenzen etwas willkürlich gesetzt. Aber das ist wohl bei solch einem fantastischen Film kaum anders möglich.&lt;br&gt;
Auch die grundsätzliche Aussage &quot;Liebe siegt über alles&quot; erscheint etwas abgenutzt. Aber auch das muss man bei Hollywood-Schmonzetten wohl in Kauf nehmen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die &quot;Engel&quot; durch die Bank weg hervorragend. Allen voran Anthony Mackie mit seinen menschlichen Anwandlungen. Doch auch die loyalen, aber leicht überforderten Bürokraten Richardson, Donaldson und Thomson sind nett gespielt.&lt;br&gt;
Matt Damon kann im Rahmen seiner Rolle durchaus überzeugen. Große Klasse seine improvisierte Rede nach der Wahlniederlage mit dem Schuh in der Hand - Erinnerungen an Chruschtschow werden wach. Auch sonst nimmt man ihm seine Liebe zu Elise ab. Aber er ändert sich den Film über kaum. Und gerade gegen Ende des Films neigte er ein wenig zum Overacting.&lt;br&gt;
Emily Blunt ist in der Toilettenzene hinreißend und im Bus frech. Ihre Tanzszene ha mich tief beeindruckt. Aber ihr verwirrtes, blasses Rumgeeire in der Schuss-Sequenz konterkariert alles, was vorher so sorgfältig aufgebaut wurde.&lt;br&gt;
Überzeugend fand ich allerdings die Hutträger - eine Mischung aus Beamtentum und Privatdetektiv. Allesamt irgendwie knuffig!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die Wahlreden, das Luxushotel, die Büroräume, die New Yorker Busse, das ländliche Farmerdorf - alles kam ganz authentisch rüber. Auch die metaphysischen Hutträger wurden ausgesprochen real und &quot;normal&quot; eingefangen - der Verzicht auf irgendwelche religiösierenden Effekte verleiht ihren Handlungen eine Nüchternheit, die durch den Kontrast zu ihrer Aufgabe allein schon eine gewisse Spannung schafft.&lt;br&gt;
Eine besondere Atmosphäre atmeten die Szenen in den &quot;himmlischen&quot; Bibliotheken und Büroräumen. Sie wurden etwas zu groß gezogen und erreichten damit ein fast kafakeskes Format.&lt;br&gt;
Niedlich auch die Bücher, die die Abweichungen vom &quot;Plan&quot; und die Gefährdungen anzeigten. Hier wurden Reminiszenzen an die Harry-Potter-Filme wach mit den lebenden Zeitungen, den lebenden Bildern und vor allem der &quot;Karte des Streuners&quot;, die die aktuellen Bewegungen anderer Personen anzeigte.&lt;br&gt;
Aber insgesamt kann man dem Kamerateam, den Beleuchtern, den Maskenbildnern und Requisiteuren nicht mehr als eine solide bis gute Leistung bescheinigen. Es gab keine Szene, die den Zuschauer nachhaltig verblüfft oder beeindruckt hätte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Eine gewisse Willkür und Inkonsistenz, wenn den Fähigkeiten der Hutträger Grenzen gesetzt werden, Matt Damons Overacting und Emily Blunts Passivität beim finalen Showdown, einige allzu programmatische, erklärende Dialoge und das &quot;Deus ex machina&quot;-Ende.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die ironische Darstellung der himmlischen Bürokratie und der überforderten Engel. Die Bücher mit den wandelnden Koordinaten. Die Ballettszene mit Emily Blunt (oder ihrem Double).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Eben jene Ballettszene mit Emily Blunt (oder ihrem Double). Eine moderne, sehr athletische und geschmeidige Choreographie, bei der die Körper der Tänzer ausgesprochen harmonisch zusammenwirken. Ein einziger Genuss! Die Szene hat mich stärker beeindruckt als manche Balettsequenz aus &quot;Black Swan&quot;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Leg dich nicht mit Hutträgern an! Sie könnten die Welt wieder &quot;auf Plan&quot; bringen wollen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nein. Es ist alles gesagt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Eine niedliche, fantasievolle Satire auf himmlische Bürokratie mit vielen Schmunzeleinlagen und einer strukturellen Ironie, deren Qualität allerdings durch einen schwachen Showdown und andere Inkonsistenzen etwas gemindert wird.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;7&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; gegen den Uhrzeigersinn gedrehte Türknäufe
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/15/film-check-11-2011-der-plan</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/15/film-check-11-2011-der-plan</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/15/film-check-11-2011-der-plan</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Tue, 15 Mar 2011 15:49:20 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 10/2011: &quot;Unknown Identity&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Unknown Identity&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;USA/UK/Frankreich/Detuschland/Kanada 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;113 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Jaume-Collet Sera&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Liam Neeson, Diane Kruger, Bruno Ganz&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Neues Gabriel, Kino 1&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;11. März 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;21:00&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/58675-5stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Der Biologe Martin Harris (Liam Neeson) reist mit seiner Frau Liz (January Jones) zu einem Kongress nach Berlin. Doch kaum kommen die beiden am Hotel Adlon an, als Harris entdeckt, dass er seinen Koffer mit wichtigen Forschungsunterlagen wohl am Flughafen vergessen hat. Aber das Taxi (Diane Kruger spielt die Taxifahrerin Nina) stürzt bei einem Unfall in die Spree. Nach 4tägigem Koma kehrt Harris zurück ins Adlon. Aber dort mag sich niemand an ihn erinnern. Ja, er begegnet sogar einem Mann, der sich als Martin Harris ausgibt (Aidan Quinn).&lt;br&gt;Harris macht sich auf die Suche nach einem Beweis für seine Identität. Dabei begegnet er nicht nur Nina wieder, sondern entkommt auch mehreren Mordanschlägen und nimmt Kontakt mit dem früheren Stasimann Jürgen (Bruno Ganz) auf.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Angefixt vom Trailer, vom Thema Identitätsdiebstahl und dem Gefühl, im falschen Film zu sein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Anfangs entwickelt sich eine klassische Thrillerhandlung nach bekannten Mustern. Nach und nach entblättern sich einzelne Facetten und eröffnen ein immer wieder anderen Blick auf die Hintergründe.&lt;br&gt;
Aber die Auflösung ist nicht nur schlampig umgesetzt, sondern auch ausgesprochen unglaubwürdig:&lt;br&gt;
&lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td width=100% bgcolor=&quot;black&quot;&gt;&lt;font color=&quot;black&quot;&gt;&quot;Harris&quot; entpuppt sich als Mitglied einer professionellen Killerbande namens &quot;Section 15&quot;. Der Biologe war nur eine Tarnexistenz. Genau in diese von außen auferlegte Tarnexistenz hat sich Harris aber derart hineingesteigert, dass er sie für die Realität hält.&lt;br&gt;
Ein ausgesprochen mieser Abklatsch von &quot;The Bourne Identity&quot;.&lt;/font&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;
Diese komplett mißlungene, aber leider entscheidende Wendung reißt den gesamten Film rein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
So richtig beeindruckt haben mich die wenigsten. Liam Neeson holt aus seinem verkorksten Charakter das maximal Mögliche heraus, January Jones mimt routiniert die kühle Blonde, Aidan Quinn bleibt ein Abziehbild.&lt;br&gt;
Bruno Ganz zeigt allerdings seine Klasse. Sein Ex-Stasi-Agent Jürgen ist eine schillernde Persönlichkeit, die am Ende eine Geradlnigkeit und Konsequenz zeigt, die man in dieser Rücksichtslosigkeit nicht vermutet hätte.&lt;br&gt;
Absolut überzeugend präsentiert sich Diane Kruger. Ihre Nina macht eine Entwicklung vom Mauerblümchen über ein Opfer der Umstände hin zu einer erwachsenen Frau durch. Eine saubere Leistung!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nunja, es ist in erster Linie ein Action-Thriller. Da muss es halt viele Explosionen, Autoverfolgungen und Nahkämpfe geben. Aber so richtig vom Hocker gerissen hat mich nichts davon. Alles hat man in anderen Filmen schon origineller und/oder besser gesehen. Man vergleiche z.B. die Autoverfolgungsjagden mit der aus &quot;The Bourne Identity&quot; in Paris.&lt;br&gt;
Wo wir gerade bei Paris sind: So ein spezifisches Berlin-Feeling kam auch nicht rüber. Die Stadt diente nur als Kulisse für die Handlung - es hätte auch jede andere Millionenstadt der Welt sein können.&lt;br&gt;
Was allerdings klasse war. Die Explosion einer Ecksuite im nächtlich angestrahlten Adlon!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Ein Übermaß an viel zu langen und einfallslosen Action-Szenen, eine hanebüchene Auflösung und diverse Logik-Bugs (z.B. wie es Harris in Rekordzeit schafft, eben noch unter der Dusche, und nur wenige Sekunden später abgetrocknet, gefönt und angezogen am Dachfirst zu hängen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Diane Kruger und Bruno Ganz. Und die Exposition. Denn die Einfädelung des Themas war wirklich gelungen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nicht wirklich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Steige niemals zu osteuropäischen Fahrerinnen ins Taxi!&lt;br&gt;
Auch wenn sie wie Diane Kruger aussehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das Publikum stellte seine Gespräche etwa 5 Minuten nach Beginn des Films nach und nach ein. Jedenfalls weitgehend.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Ein unorigineller Action-Thriller nach bekanntem Strickmuster mit interessantem Anfang. Aber die hanebüchene Auflösung verdirbt alles.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/58675-5stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;5&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; doppelten Fotos aus den Flitterwochen
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/14/film-check-10-2011-unknown-identity</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/14/film-check-10-2011-unknown-identity</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/14/film-check-10-2011-unknown-identity</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Mon, 14 Mar 2011 08:10:33 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 09/2011: &quot;Pina (3D)&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Pina (3D)&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Deutschland 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;107 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Wim Wenders&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td valign=&quot;top&quot;&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Pina Bausch, Tänzerinnen und Tänzer des Wuppertaler Tanztheaters&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Rio Filmpalast, Kino 1&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;28. Februar 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;18:30&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&quot;Pina&quot; ist eine Hommage von Wim Wenders an die Kunst von Pina Bausch, die an ihrem Wuppertaler Tanztheater eine völlig neue Form der Tanzkunst entwickelt hat.&lt;br&gt;
Die Idee zum Film kam Wim Wenders bereits 1988 nach einer Aufführung von &quot;Café Müller&quot;. Doch erst mit der Vervollkommnung der 3D-Technik meinte Wenders das adäquate Filmhandwerkszeug in Händen zu halten. Kurz vor Beginn der Freharbeiten starb Pina Bausch überraschend. Doch das Ensemble des Wuppertaler Tanztheaters ermutigte Wenders, den Film dennoch fertigzustellen.&lt;br&gt;
Herausgekommen ist eine Collage von Aufnahmen, die live bei Aufführungen von &quot;Le sacre du printemps&quot;, &quot;Café Müller&quot;, &quot;Vollmond&quot; und &quot;Kontakthof&quot; entstanden, von Statements einzelner Tänzer und Tanzeinlagen an Orten in der Umgebung von Wuppertal, so z.B. an einem stillgelegten Tagebaubergwerk oder auf einer Kreuzung in Wuppertal direkt unter der Schwebebahn. Aber auch in der Schwebebahn selbst wurde getanzt.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Hingerissen vom Trailer. Und neugierig auf Pina Bausch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;i&gt;Einige meiner Standard-Fragen passen nicht so recht auf diesen Film. Aber was soll&#039;s?&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
Das Grundkonzept gefällt: Der Film nähert sich der Kunst und der Methode Pina Bauschs über konkrete Aufführungen nach ihrer Choreographie, Aussagen der Tänzer, die mit ihr gearbeitet haben, und solistische Einlagen der Tänzer, die dadurch Persönlichkeit und Individualität gewinnen. Allerdings wiederholt sich der formale Ablauf, so dass es auf Dauer vorhersehbar wird.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;i&gt;Wieder so was Unpassendes. Schauspieler? Natürlich können nur die Tänzer gemeint sein.&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
Aber die brillieren nicht nur mit interessanten, unorthodoxen Kabinettsückchen. Sondern auch mit einer einzigartigen Haltung zum Tanzen. Es geht nicht in erster Linie um Technik oder Körperbeherrschung, sondern um Ausdruck. Pina Bausch hat mit ihrer Fragemethode die Kreativität der Tänzer unmittelbar in die Entstehung der Stücke eingebunden. Außerdem kamen bei ihr auch ältere Tänzer zu ihrem Recht, auch Körper, die nicht dem herkömmlichen Schönheitsideal entsprechen. Daraus entstand ein ganz natürliches Sebstwertgefühl, das alle Tänzer ausstrahlten. Vor allem die solistischen oder paarweisen Outdoor-Improvisationen zeigten viel Individualität. Von einzelnen Gesten oder Tanzteilen war ich regelrecht hingerissen.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Hinsichtlich 3D-Filmtechnik hat &quot;Pina&quot; teilweise Neuland betreten. Wim Wenders und sein Team entwickelten eigens für den Film 3D-Kameras, die mit Spiegeloptiken arbeiten. Nur so konnten sie Kameras so kompakt gestalten, dass man sie ohne größere Störung auf die Bühne bzw. zwischen die Tänzer stellen konnte. In einigen Szenen wird der Balletttanz eingefangen wie nie zuvor.&lt;br&gt;
Daneben gab es immer wieder Aufnahmen, bei denen man sich fragte: Was würde fehlen, wenn das jetzt in 2D gefilmt worden wäre? Leider waren das die überwiegenden Szenen.&lt;br&gt;
Schwierigkeiten ergaben sich immer dort, wo es entweder keine prägnante Tiefenstaffelung gab oder wenn allzu dynamische Bewegung eingefangen werden sollte. Hier zeigten sich die Grenzen der derzeitigen 3D-Aufnahmetechnik.&lt;br&gt;
Auch die Filmdramaturgie wurde auf Dauer vorhersehbar und damit langweilig. Vor allem die kurzen, ruhig bewegten Posen der Tänzer, deren Statements aus dem Off eingesprochen werden, ermüden spätestens nach dem gefühlt zwölften Solisten. Mitunter fehlte auch das Verständnis für die Gesamtaufführungen, weil nur einzelne Szenen rausgeschnitten wurden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
3D-Bilder, die auch in 2D gut gewirkt hätten. Die etwas monotone Filmdramaturgie. Insgesamt war der Film etwas zu lang.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Einzelne Szenen, die ihre ganze Wirkung nur durch exzellente 3D-Technik entfalten konnten. Die Hingabe und Treue der Tänzer über Pina Bauschs Tod hinaus. Ihre Frage-Antwort-Methode, auch wenn sie nur angerissen wurde. Und einige urwüchsige Bewegungen, die man so nie zuvor gesehen hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Eine Szene aus &quot;Café Müller&quot;: Ein Liebespaar verharrt in statischer Umarmung. Ein Anzugträger erscheint, korrigiert die Lage der Arme, legt die Frau dem Mann in die Arme und will weggehen. Der Mann lässt die Frau fallen, sie richtet sich auf und umarmt den Mann wie zu Beginn der Szene. Der Anzugträger macht auf dem Absatz kehrt und wiederholt die Korrektur mit dem gleichen Ergebnis. Der Ablauf wiederholt sich in immer schnelleren Tempo, bis irgendwann der Anzugträger von der Bühne verschwindet und das Liebespaar den Zyklus aus Umarmung, Korrektur der Armhaltung, Tragen und Fallenlassen der Frau ohne äußeres Zutun abspult. Ein Sinnbild für Konditionierung à la Pawlow!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
1. Das Leben ist kein Tanz.&lt;br&gt;
2. Niemand braucht sich seines Körpers zu schämen.&lt;br&gt;
3. Ein kurzer Frage zur rechten Zeit bewirkt mehr als eine stundenlange Rede zur Unzeit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Selten habe ich mich so sehr über ein Kinopublikum geärgert!&lt;br&gt;
Viele Zuschauer erschienen zu spät zur Vorstellung. Okay, das war möglicherweise der zeitaufwändigen Ausgabe von 3D-Brillen geschuldet. Aber die Zu-Spät-Kommenden suchten sich meistens passgenau den Weg zu ihrem Sitzplatz, auf dem sie die meisten pünktlich erschienen Mitzuschauer aufscheuchten. Viele Zuschauer unterhielten sich noch lebhaftigst, als der Film schon längst begonnen hatte. Und auch mitten im Film mussten einige Damen immer wieder lautstarke Kommentare absondern.&lt;br&gt;
Der Herr hinter mir hatte wohl etwas gegen meine Rückenlehne; sonst hätte er sie nicht so oft getreten. Dabei ist der große Saal im Rio Filmpalast einer der angenehmsten und geräumigsten Kinosäle Münchens. Mit meinen 180 cm Körpergröße kam ich kaum mit den Füßen an den Sitz meines Vordermanns, selbst wenn ich mich in den Sessel fläzte.&lt;br&gt;
Mein direkter Nachbar hatte es nach seinem letzten großen Geschäft wohl nicht so genau mit dem Klopapier genommen. Zumindest ließen meine olfaktorischen Sensationen diesen Schluss zu.&lt;br&gt;
Und zwei Sitze neben ihm saß ein Herr, dem mittels eines Kompressors über zwei Schläuche Pressluft in die Nase gedrückt wurde. Jedesmal mit deutlich vernehmbaren Zischen. &lt;i&gt;(Bitte nicht falsch verstehen! Ich finde es gut und wichtig, dass behinderte Mitmenschen am Leben teilnemen. Dazu gehören auch Kinobesuche. Wäre seine Nasendusche die einzige Belästigung gewesen, hätte ich das gar nicht erwähnt. So aber rundete das Druckluftzischen im 10-Sekunden-Takt das Gesamtbild ab.) &lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Eine insgesamt gelungene Hommage an Pina Bausch und ihr einzigartiges Tanztheater mit einigen mustergültigen 3D-Aufnahmen. Mit zunehmender Dauer langweilt der Film ein wenig wegen der sich wiederholenden Dramaturgie.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;7&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; Jungfrauen im roten Opferkleid
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/07/film-check-09-2011-pina-3d</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/07/film-check-09-2011-pina-3d</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/07/film-check-09-2011-pina-3d</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Mon, 07 Mar 2011 14:14:57 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 08/2011: &quot;127 Hours&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;127 Hours&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;USA 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;94 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Danny Boyle&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;James Franco&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Neues Gabriel, Kino 2&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;25. Februar 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;16:00&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/8stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aaron Ralston (James Franco), Ingenieur und Extremsportler, begibt sich eines Morgens allein auf einen Ausflug in die Wüste. Niemand weiß, wohin er aufgebrochen ist. Beim Kraxeln im Blue-John-Canyon stürtzt er in eine Spalte. Dabei wird sein rechter Arm von einem herabfallenden Stein eingequetscht.&lt;br&gt; 
Alle Versuche, den Stein zu bewegen oder etwas von ihm abzukratzen, misslingen; Wasser und Nahrung gehen zur Neige. Mehr als fünf Tage verbringt Aaron in dieser Klemme. Genug Zeit, um Bilanz zu ziehen, sein Leben an sich vorüberziehen zu lassen oder sich einfach seinen Fantasien zu überlassen. Schließlich greift er zum verzweifelten letzten Mittel und amputiert sich selbst seinen rechten Arm.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Angefixt durch einen Video-Kurzbericht im Internet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Story? Welche Story?, könnte man fragen. Ein Mann wird bei einem Kletterunfall in einer Felsritze eingeklemmt und harrt dort fünf Tage aus. Einsam, verlassen, mit schrumpfenden Ressourcen. Wie soll man daraus eine Story basteln?&lt;br&gt;
Die Drehbuchautoren Simon Beaufoy und Danny Boyle, der auch Regie führte, schaffen das scheinbar Unmögliche: Sie schreiben in die fünf Tage äußerer Bewegungslosigkeit einen inneren Spannungsbogen, der den Zuschauer gebannt bei der Stange hält. Denn in diesen fünf Tagen wandelt sich Aaron von einem neurotischen Einzelgänger zu einem Menschen, der um Hilfe bittet, wenn er sie braucht.&lt;br&gt;
Dieser Wandel wird vorwiegend über Dinge transportiert, die sich in seinem Kopf abspielen: Erinnerungen an eine Freundin, die ihn verlassen hat, an seine Eltern, seine Kindheit, aber auch Fantasien wie eine Talk-Show, die zwei gleichzeitig Eingeklemmte miteinander reden lässt (ansonsten aber nichts tut), ein Prozess, in dem alle Menschen, die ihm wichtig waren, über Aaron zu Gericht sitzen, ein (geträumtes) Gewitter, das als hoffnungsvolle Wasserzufuhr  beginnt, sich aber zur tödlichen Gefahr ausweitet...&lt;br&gt;
Am Ende opfert Aaron nicht nur seinen rechten Unterarm, sondern auch sein übersteigertes Selbstbild von einem, dem nichts passieren kann, der auf niemanden angewiesen ist und der aus allen Situationen allein und unversehrt wieder herauskommt.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Der Plural ist berechtigt. Dennoch stutzt man unwillkürlich.&lt;br&gt;
Denn der eine tragende Schauspieler ist James Franco. Was er hinlegt, ist schlichtweg brillant!&lt;br&gt;
Am Anfang ein selbstsicherer, leicht überheblicher junger Mann, der aller Welt signalisiert &quot;Ich komme alleine zurecht.&quot;. Vor dem Unfall führt er zwei junge Frauen, die sich im Canyon-Land verirrt haben, zunächst zu einem See in einer versteckten Höhle, bevor er ihnen wieder den rechten Weg weist. Nach dem Unfall durchläuft er alle Stadien von Zweckoptimismus über Aktivismus, Zorn, Trauer, Verzweiflung bis zur inneren Katharsis. Dabei lotet Fraco alle Nuancen seiner Figur und dessen Situation aus. Meisterhaft! Mit einem weniger begnadeten Schauspieler wäre der Film komplett baden gegangen.&lt;br&gt;
Die anderen Schauspieler sind dagegen Nebenfiguren, eigentlich geradezu farblose Ausgeburten seines einsamen Gehirns, das mangels äußerer Reize um sich selbst und seinen Speicherinhalt rotiert. Sie können sich in der Regel gar nicht entfalten, müssen sie auch nicht. &lt;br&gt;
Einzige Ausnahme: die beiden jungen Frauen, denen er am Anfang den Weg weist (Kate Mara, Amber TAmblyn). Sie spielen überzeugend ganz normale, lebenslustige Frauen, die sich erst zaghaft auf die Führung Aarons einlassen, aber spätestens nach dem Bad im Höhlensee Zutrauen fassen.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aber hallo!&lt;br&gt;
Das geht mit großartigen Landschaftsaufnahmen und einigen atemberaubenden Kamerafahrten (vermutlich aus dem Hubschrauer heraus aufgenommen) los. Besonders die Stelle, als sich die Kamera von Aaron weg aus der Felsritze hinausbewegt und schließlich in einer Landschaftstotalen Aaron Verlassenheit offenbart.&lt;br&gt;
Das geht weiter mit Aufnahmen aus dem Innern der Dinge, insbesondere Innenansichten aus der Wasserflasche, wenn Aaron einen Schluck des kostbaren Nasses nimmt, oder mechanische Vorgänge im Innern des Camcorders, mit dem Aaron seinen Niedergang dokumentiert.&lt;br&gt;
Auch der Cutter versteht sein Handwerk. Irritierend die Gewitter-Szene. Der Zuschauer braucht einige Kameraeinstellungen, bis er begreift, dass er sich wieder einmal in einer Fantasie in Aarons Kopf befindet.&lt;br&gt;
Jedes Ding, jedes Staubkorn wird aufgeladen mit Bedeutung und Präsenz. Einfach großartig, wie hier mit einfachen, aber subtilen Mitteln Spannung erzeugt wird!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
James Franco war mir nach fünf Tagen ohne Dusche einfach noch zu sauber. Ich hätte mehr Schweiß, mehr Dreck und stärkeren Bartwuchs erwartet. Außerdem wundere ich mich, warum er die Ameisen nicht gegessen hat.&lt;br&gt;
Und der Hilferuf, mit dem er nach seiner Amputation seinen inneren Wandel dokumentiert, ist mir ein Stück zu pathetisch geraten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Alles andere. Vor allem der Hilferuf, mit dem sich sein innerer Wandel erstmals gegenüber anderen Menschen manifestiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nichts, was ich nicht bereits erwähnt hätte.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Manchmal muss man richtig in der Klemme sitzen, um die eigene Verletzbarkeit zu akzeptieren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&quot;127 Hours&quot; erhielt sechs Oscar-Nominierungen: in den Kategorien &quot;Bester Film&quot;, &quot;Bester Hauptdarsteller&quot; (James Freanco), &quot;Bester Schnitt&quot; (John Harris), &quot;Beste Filmmusik&quot; (A.R. Rahman), &quot;Bestes Original-Lied&quot; (&quot;If I Rise&quot; von Rahman/Dido, Armstrong) und &quot;Bestes adaptiertes Drehbuch&quot; (Danny Boyle und Simon Beaufoy). Er konnte aber keinen der begehrten Preise gewinnen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Brillante, schonungslose Psycho-Studie über einen Mann, der in der Klemme sitzend nicht nur seinen rechten Arm, sondern auch sein übersteigertes Selbstbild aufgeben muss. Mit einem überragenden James Franco!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/8stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;8&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; stumpfen Taschenmessern
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/01/film-check-08-2011-127-hours</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/01/film-check-08-2011-127-hours</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/03/01/film-check-08-2011-127-hours</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Tue, 01 Mar 2011 13:48:32 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 07/2011: &quot;Poll&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Poll&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Deutschland 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;139 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Chris Kraus&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Paula Beer, Edgar Selge, Tambet Tuisk&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Atelier, Kino 2&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;21. Februar 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;17:30&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/10stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;

&lt;br&gt;
&lt;br&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 14jährige Oda von Siering (Paula Beer) im Sommer 1914 auf das estnische Landgut Poll, das ihr Vater Ebbo von Siering mit seiner zweiten Frau Milla (Jeanette Hain) bewohnt. Nur schwer kann sie sich mit ihrem exzentrischen Vater (er präpariert menschliche Mißgeburten und sägt getöteten Anrchisten die Schädel auf, um ihre Gehirne zu erforschen), der neuen Familie und den einquartierten russischen Soldaten abfinden. Als sie einen schwerverwundeten estnischen Freiheitskämpfer (Tambet Tuisk) findet, versteckt sie ihn und pflegt ihn gesund.&lt;br&gt;
Schnell wird Schnaps, wie sich der Verwundete nennt, ihre wichtigste Bezugsperson in dem eigenartigen Mikrokosmos von Poll. Von ihm lernt sie nicht nur Schreiben, sondern auch, dass man sich irgendwann entscheiden muss, wie und wofür man leben will.&lt;br&gt;
Als der 1. Weltkrieg ausbricht, wandelt sich die bislang freundliche Attitüde der russischen Soldaten zu offener Feindseligkeit. Der wiedergenesene Schnaps muss schnellstens verschwinden.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wegen eines ansprechenden Flyers, der im Januar im Münchner Filmcasino auslag. Und wegen schwerwiegender Vorschusslorbeeren in Form von enthusiastischen Besprechungen und kaum noch zählbaren Auszeichnungen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aber hallo! Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Film &quot;einer wahren Begebenheit&quot; nachempfunden wurde.&lt;br&gt;
Vater Ebbo wird als exzentischer Patriarch geschildert, der sich auf Gut Poll eine Scheinwelt eingerichtet hat, die er mit allen Mitteln aufrecht erhalten will. Dorthinein bricht der Anarchist Schnaps, der gerade jegliche falsche und menschenunwürdige Ordnung zerstören will. Zwischen beiden Polen bewegt sich Oda. Das ist der Hauptkonflikt.&lt;br&gt;
Dazwischen gibt es jede Menge Seitenlinien, die das Astwerk des Drehbuch-Baumes harmonisch vervollständigen: der Konflikt mit Ebbos zweiter Ehefrau Milla, die einseitige Liebe von Millas Sohn Paul zu Oda, die Affäre zwischen Milla und dem Verwalter Mechtershausen - alles läuft rund, alles passt in den Ablauf der Ereignisse, bringt das Gesamtbild erst zur Wirkung.&lt;br&gt;
Eine super Leistung der Drehbuchschreiber, die den Spagat zwischen historischer Exaktheit und dramaturgischer Notwendigkeit hervorragend meisterten!
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wie wurde Guttenbergs Dissertation bewertet? - Summa cum laude!&lt;br&gt;
Der Cast von &quot;Poll&quot; hat sich diese Bewertung jedenfalls redlich verdient. Jede, wirklich jede Rolle erwacht zum Leben, nichts erscheint aufgesetzt, alle Haupt- und größeren Nebenrollen sind differenziert ausgearbeitet und mit fast schon beängstigender Präsenz auf Zelluloid gebannt.&lt;br&gt;
Eine echte Entdeckung ist die junge Paula Beer, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen erst 14 Jahre alt war - wie die echte Oda, als sie das echte Poll besuchte. Paula Beer hat interessantes Gesicht, füllt die Leinwand mit einer Wahnsinnspräsenz und agiert ausgesprochen fein und differenziert. Was für ein Talent! Und welch ein Mut von Chris Kraus, die Verantwortung für die Hauptrolle in die Hände solch einer jungen Schauspielerin zu legen! Aber die Rechnung ist mehr als nur aufgegangen. Brillant, wie sie den Wandel von einem wohlbehüteten Backfisch zu einer jungen Frau darstellt!&lt;br&gt;
Edgar Selge spielt mit dem exzentrischen, patriarchalischen Ebbo vermutlich die Rolle seines Lebens. Kannte man ihn bislang auf der Kinoleinwand eher in komödiantischen Rollen (oder aus Krimi-Serien im Fernsehen), so kann er hier die ganze Palette seiner Möglichkeiten ausspielen. Zwischenzeitlich habe ich ihn gehasst - und hätte keine Garantie für seine körperliche Unversehrtheit übernommen, wenn er leibhaftig vor mir gestanden wäre. Aber auch er bewahrt sich noch einen Rest Sympathie, weil er ein Getriebener seiner Ängste vor Veränderung ist. Seine innere Unsicherheit zwingt ihn dazu, seine Mitmenschen durchschauen zu müssen. Das bringt ihn dazu, dass er die Schädel von getöteten Gefangenen aufsägt und das Gehirn präpariert. Auch die krampfhaften Inszenierungen von Kultiviertheit und Feinsinn, euphemistisch &quot;Leseabende&quot; genannt, sollen nach außen ein positives Bild vermitteln. Besessenheit pur!&lt;br&gt;
Großartig auch die Leistung von Richy Müller. Er spielt den Gutsverwalter Mechtershausen grobschlächtig, knorrig, bisweilen bauernhaft, stets zerrissen zwischen der Loyalität zu seinem Arbeitgeber und dem Ekel vor den Abgründen, die ihn auf dem Gut umgeben. Selbst seine Affäre mit Milla ist ein Akt der Barmherzigkeit.&lt;br&gt;
Aber auch alle anderen Schauspieler liefern großartige Leistungen ab. Die ganze Gemeinschaft auf Gut Poll erwacht zu manchmal bedrohlichem Leben.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Ist der Papst katholisch?&lt;br&gt;
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Das beginnt mit dem Gutshaus Poll, ein Palast auf Stelzen, der genau auf die Grenze zwischen Land und Meer gebaut wurde - ein Anblick, der einem mehr als einmal den Atem verschlägt. Wer hat dieses fantastische Bauwerk ersonnen, wer hat es gebaut?&lt;br&gt;
Weiter geht es mit dem Bestiarium des Ebbo von Siering - ein Panoptikum von eingelegten Gehirnen, mißgebildeten Föten, die in Alkohol schwimmen und auf gesägten Shädelknochen. Alles fein säuberlich geordnet und katalogisiert.&lt;br&gt;
Kameraführung und Licht erzeugen in einigen Szenen eine geradezu hypnotische Atmosphäre - jeder Holzsplitter, jedes Staubkorn wird mit Bedeutung aufgeladen. Überhaupt wird viel über die Bildebene, über scheinbar unscheinbare Details transportiert. Eine kaum merkliche Kopfbewegung, ein kurzes Blinzeln - und der Film nimmt sich die Zeit, die er braucht, um die ganze Schrecklichkeit hinter der sauberen Fassade von Gut Poll darzustellen. 
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
./.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das Brodeln unter der scheinbar ruhigen Decke, die Landschaft, die so flach ist wie das Meer,der Stelzenpalast auf der Grenzlinie zwischen Land und Meer, einige der ekelhaftesten Präparate aller Zeiten, der zweiköpfoge Embryo im Schnapsfass und viele Schauspieler, die über sich selbst hinauswachsen, und diverse hausmusikalische Darbietungen von Schuberts Forellenquintett.. Eine längst vergangene Epoche wird wieder lebendig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Oda: &quot;Ich möchte auch einmal Arzt werden.&quot;&lt;br&gt;
Ebbo: &quot;Schade, dass nur Männer Arzt werden dürfen.&quot;&lt;br&gt;
Oda: &quot;Ich werde keine Frau.&quot;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Auch nicht in einer scheinbar zeitlosen Enklave wie Gut Poll.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die wahre Oda Kraus wurde unter dem Pseudonym Oda Schaefer eine durchaus beachtete Nachkriegsschriftstellerin. Sie veröffentlichte Gedichte in traditionellen Reimen und Formen sowie Feuilletonartikel.&lt;br&gt;
Der Film hat mich neugierig auf ihr Werk gemacht. Sicherlich werde ich das eine oder andere ihrer Bücher antiquarisch erwerben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Gnadenlose Vivisektion des &#039;fin de siècle&quot;, stellvertretend dargestellt an der hermetisch abgeschlossenen Gemeinschaft auf den Gut Poll - und der beschränkten Möglichkeiten von Frauen, aus den patriarchalischen Strukturen auszubrechen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/10stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;10&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; dressierten Fröschen
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/26/film-check-07-2011-poll</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/26/film-check-07-2011-poll</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/26/film-check-07-2011-poll</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Sat, 26 Feb 2011 10:10:38 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 06/2011: &quot;Das Lied in mir&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Das Lied in mir&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Deutschland/Argentinien 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;94 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Florian Micoud Cossen&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td valign=&quot;top&quot;&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Jessica Schwarz, Michael Gwisdek, Raffael Ferro, Beatriz Spelzini&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Neues Arena, Kino 2&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;16. Februar 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;18:10&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/8stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die deutsche Leistungsschwimmerin Maria (Jessica Schwarz) muss auf dem Weg zu einem Wettkampf in Santiago de Chile am Flughafen Buenos Aires umsteigen. Dort hört sie, wie eine Mutter ein Kinderlied singt, das Maria unmittelbar vertraut ist - obwohl sie kein Wort Spanisch spricht!&lt;br&gt;
Überwältigt von dieser Erfahrung, verpasst Maria ihren Anschlussflug und muss einige Tage in Buenos Aires verbringen. Als ihr Vater (Michael Gwisdek) ihr nachreist, erfährt sie die Wahrheit über ihre Herkunft: Sie sei Argentinierin, stamme aus Buenos Aires und wurde von ihrem Adoptivvater während der Wirren der argentinischen Militärdiktatur nach Deutschland mitgenommen. Ihre Eltern seien damals verschleppt worden und nicht wieder aufgetaucht. Aber ist das die ganze Wahrheit?&lt;br&gt;
Maria beschließt, auf Spurensuche zu gehe. Gemeinsam mit dem deutschsprechenden Polizisten Alejandro (Raffael Ferro) sucht und findet sie Überlebende ihrer argentinischen Familie. Eine scheue, für alle Seiten sehr emotionale Annäherung beginnt.  
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wie lebt man weiter, wenn man von einem Moment auf den anderen erfährt, dass sein bisheriges Leben auf einer Lüge aufbaute? Die Thematik interessiert mich einfach.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Und wie!&lt;br&gt;
Die Irritation durch ein scheinbar harmloses Kinderlied, die schrittweise Konfrontation mit der Wahrheit, die Annäherung an eine Familie, die man nie gesehen hat und deren Sprache man noch nicht einmal spricht - das ist wunderbar in eine Geschichte übersetzt, bei der sich vieles unter der Oberfläche abspielt.&lt;br&gt;
Auch wenn sich an einigen Stellen der moralische Zeigefinger kurz zeigt - unterm Strich bleibt eine differenzierte Zeichnung von Schuld und Vergebung. Keine Figur ist restlos böse. Marie lässt sich in dem Konflikt nicht auf eine Seite ziehen, sondern trägt allem Zorn zum Trotz zu einer halbwegs friedlichen Lösung bei. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Hervorragend!&lt;br&gt;
Jessica Schwarz hat für die Rolle der Leistungsschwimmerin einige Muskeln antrainiert, die sie in ihren sommerlichen Tops auch zeigt. In der Szene mit dem Kinderlied nimmt man ihr die Ergriffenheit nicht vollständig ab. Aber in allem, was davor und vor allem danach passiert, zeigt sie eine differenzierte Darstellung einer Frau, der zunächst der Boden unter den Füßen weggegzogen wird, die sich aber langsam, aber sicher eine neue Identität erarbeitet und ihren wahren Platz im Leben findet.&lt;br&gt;
Großartig auch Michael Gwisdek als Marias Vater, der zwischen Liebe zu seiner Tochter, Schuldgefühlen und der Angst vor Veränderung changiert. Phantastish schließlich auch die Familie Villafranca: einfache, normale Menschen, die von den Erfahrungen während der Diktatur noch traumatisiert sind und die ebenfalls lernen müssen, mit ihrem Zorn und ihrer Rachsucht umzugehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aber ja! Florian Cossen legt ein vielversprechendes Debüt vor.&lt;br&gt;
Souverän verzichtet der Film auf Rückblenden, so sehr sie sich bei der Geschichte auch anbieten würden. Die Vergangenheit macht sich nur in Form von Dokumenten - namentlich alten Familienfotos und Cassettenaufnahmen - und als gesprochene Erinnerung bemerkbar. Die erzählte Zeit des Films ist immer Marias Gegenwart.&lt;br&gt;
Gerade beim Erstkontakt mit der Familie spielt Cossen die Konfusion aus, die schon allein durch die Sprachbarriere entsteht. Die faktische Fremdheit trotz biologischer Verwandtschaft, der Wunsch nach Verbindung über alle Hindernisse hinweg - das ist in unprätentiösen, realistischen Bildern festgehalten.&lt;br&gt;
Super auch die Schlussszene!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das Overacting von Jessica Schwarz in der leider entscheidenden Szene, als sie das Kinderlied hört. Auch mancher kameratechnischer Manierismus (z.B. Spiel mit der Schärfentiefe) wird zeitweise übertrieben und wirkt dadurch eher verspielt als beabsichtigt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Alles andere! Auch wenn an der Oberfläche wenig Dramatisches geschieht - den Film durchzieht von Anfang bis Ende eine Intensität und Spannung, die allein durch die Bilder und die Präsenz aller Figuren getragen wird.&lt;br&gt;
Nicht zu vergessen: Jessicas Mucki-Körper! Zum Niederknien!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendetwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;i&gt;&quot;Ich möchte von meinem Vaters nichts hören, wofür ich ihn hassen müsste.&quot;&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
Alejandro im Gespräch mit Maria&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Ein unterschwelliges Mißtrauen gegen die eigenen Eltern - falls sie es denn sind. ;)&lt;br&gt;
Und eine Verunsicherung darüber, ob man andere Menschen immer verurteilen kann, auch wenn sie etwas Schlimmes getan haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Nein. Alles wurde gesagt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Differenziertes Drama über Schuld, Verstrickung und Vergebung und wie man trotzdem erhobenen Hauptes rauskommen kann. Mehr als nur gelungenes Debüt von Florian Cossen - den Namen sollte man sich merken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/8stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;8&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; Plastikmäusen mit viel zu großen Ohren
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/19/film-check-06-2011-das-lied-in-mir</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/19/film-check-06-2011-das-lied-in-mir</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/19/film-check-06-2011-das-lied-in-mir</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Sat, 19 Feb 2011 00:02:59 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 05/2011: &quot;Hereafter - Das Leben danach&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot; valign=&quot;top&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Hereafter - Das Leben danach&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;USA 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;129 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Clint Eastwood&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td valign=&quot;top&quot;&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Matt Damon, Cécile de France, Frankie und George McLaren&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Filmtheater Sendlinger Tor&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;6. Februar 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;20:30&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Um das Leben nach dem Tod. Und wie es für drei Menschen bereits das Leben vor dem Tod prägt.&lt;br&gt;
Die französische Journalistin Marie (Cécile de France) wird beim Weihnachts-Tsunami in Thailand fast getötet. Das Nahtoderlebnis lässt sie nicht mehr los - auch wenn sie das mit ihrem beruflichen und sozialen Abstieg bezahlt. Der Londoner Schüler Marcus (Frankie McLaren) verliert bei einem Unfall seinen Zwillingsbruder Jason (George McLaren) und versucht, ihn auf allen möglichen Wegen zu kontaktieren. Über diese Gabe verfügt der amerikanische Lagerarbeiter George Lonegan (Matt Damon), der sich dagegen sträubt, aber von seiner Umwelt immer wieder zum Einsatz gedrängt wird.  &lt;br&gt;
Nachdem Marie in ihrer Fernsehsendung den gewohnten Biss vermissen lässt, wird ihr eine Auszeit angeraten. Die will sie für ein Enthüllungsbuch über François Mitterand nutzen. Aber am Ende kommt ein Buch über Nahtoderlebnisse heraus, das beim Verlag nicht so gut ankommt. Der 12jährige Marcus sucht verzweifelt Kontakt zu seinem toten Zwillingsbruder Jason. Dabei gerät er nicht nur an alle möglichen Scharlatane, sondern stößt auch seine Pflegeeltern und seine Betreuer beim Jugendamt vor den Kopf. Und bei George geht eine vielversprechende Romanze mit Melanie (Bryce Dallas Howard) noch vor dem eigentlichen Höhepunkt den Bach runter, als er ihr auf ihr Drängen hin erzählt, was ihr toter Vater ihm verraten hat.&lt;br&gt;
Diese drei unterschiedlichen Menschen finden am Ende auf einer Londoner Esoterik-Messe zusammen. Marcus erhält endlich (via George) die entscheidende Botschaft von Jason. Als Dank verkuppelt er George und Marie - die endlich einen Menschen finden, der ihre Situation versteht.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wegen einiger enthusiastischer Kritiken. Und weil mich Clint Eastwoods Film &quot;Gran Torino&quot; begeistert hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Hmmnja. &lt;i&gt;(Warum muss ich mir selbst so schwierige Fragen stellen?)&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
Über weite Strecken wird die Thematik sehr sensibel und respektvoll abgehandelt. Alle drei Einzelstränge schildern ein Schicksal, das durch den Kontakt mit dem Tod aus den Fugen gerät. Alles sehr nachvollziehbar und berührend, ohne den schmalen Grat zum Kitsch zu überschreiten.&lt;br&gt;
Die Zusammenführung am Ende in London ist hingegen total misslungen. Hier schlägt Mister Zufall mehr als einmal zu, und beim Ende ist den Drehbuchautoren eine ganze Zuckertüte in den Espresso gefallen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Super! An ihnen liegt es nicht.&lt;br&gt;
Cécile de France spielt überzeugend den Wandel Maries von einer toughen, fast schon skrupellosen Skandalreporterin zu einer Frau, die ihrer plötzlichen Berufung folgt und dabei sogar sozialen Abstieg in Kauf nimmt. Matt Damon, für viele als Actionheld Jason Bourne bekannt, zeigt eine ganz andere Seite seines schauspielerischen Könnens: einen sensiblen, introvertierten Mann, der von seiner besonderen Gabe geplagt wird. Absolut begeistert hat mich die Leistung der McLaren-Zwillinge. Die beiden haben die unterschiedlichen Charaktere von Marcus und Jason großartig auf die Leinwand gebracht. Es beeindruckt mich immer wieder, wenn ein Regisseur es schafft, dass minderjährige Darsteller tiefe, facettenreiche und schwierige Figuren überzeugend verkörpern.&lt;br&gt;
Auch die Nebendarsteller lieferten durchweg ansehnliche Leistungen ab.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Im Prinzip ja.&lt;br&gt;
Der Tsunami am Anfang wurde realistisch, aber nicht übertrieben dargestellt. Ein Naturereignis, das auch ohne metaphysische Beigabe oder übertriebene SFX aus Katastrophenfilmen schrecklich ist. Die verschiedenen Lebenswelten der drei Protagonisten wurden durch Farbwahl, Kostüme und Requisiten klar voneinander abgesetzt. Auf eine allzu detaillierte Darstellung des Lebens nach dem Tod wurde zum Glück verzichtet - man sah nur einige Male eine lichtüberflutete Ebene mit schemenhaften Figuren. Das misslungene Ende hätte man auch mit den besten filmischen Mitteln nicht mehr herausreißen können.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Das gekünstelte, überzuckerte Ende. Und manchmal die Filmmusik, die der Amateurmusiker Clint Eastwood selbst eingespielt hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die sensible Zeichnung von drei Leben, die außer der Erfahrung mit dem Tod nichta miteinander zu tun zu haben scheinen. Und der sparsame Einsatz von Filmmusik.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendetwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&quot;Ein Leben, das sich nur um den Tod dreht, ist kein Leben.&quot; &lt;i&gt;(sinngemäßes Zitat von George Lonegan)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Es gibt ein Leben vor dem Tod. Und wer sich mit dem danach beschäftigt, geht seinen Artgenossen mitunter auf den Keks.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&quot;Hereafter&quot; heimste eine Oscar-Nominierung in der Kategorie &quot;Beste visuelle Effekte&quot; ein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Feinsinnige, bisweilen anrührerende Studie über die Wirkung des Todes auf das Leben dreier völlig verschiedener Menschen. Leider macht das gekünstelte, leicht kitschige Ende viel von den guten Ansätzen zunichte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/7stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;7&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; Kochkursen für Singles
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/18/film-check-05-2011-hereafter-das-leben-danach</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/18/film-check-05-2011-hereafter-das-leben-danach</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/18/film-check-05-2011-hereafter-das-leben-danach</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Fri, 18 Feb 2011 10:16:10 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
    <item>
   <title>Film-Check 04/2011: &quot;Satte Farben vor Schwarz&quot;</title>
   <description>
    &lt;table frame=&quot;void&quot; rules=&quot;none&quot; cellspacing=&quot;1&quot; cellpadding=&quot;1&quot;&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Film:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Satte Farben vor Schwarz&lt;/i&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Produktion:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Deutschland 2010&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Dauer:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;85 Minuten&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Regie:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Sophie Heldman&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Hauptdarsteller:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Senta Berger, Bruno Ganz&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Kino:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;Neues Rottmann&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Datum:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;4. Februar 2011&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Uhrzeit:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;18:30&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;
&lt;td&gt;&lt;b&gt;Wertung:&lt;/b&gt;&lt;/td&gt;&lt;td&gt;&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/9stars.jpg&quot;&gt;&lt;/td&gt;
&lt;/tr&gt;
&lt;/table&gt;
&lt;br&gt;
&lt;br&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Anita (Senta Berger) und Fred (Bruno Ganz) sind ein älteres, wohlsituiertes Ehepaar, das alle Krisen schon hinter sich hat. Bis Anita eines Tages sieht, wie Fred in eine ihr unbekannte Wohnung geht.&lt;br&gt;
Es stellt sich heraus, dass der an Prostatakrebs erkrankte Fred offenbar diese Wohnung als Sterbedomizil auserkoren hat. Es kommt zu einem ernsthaften Zerwürfnis, das auch den Kindern Patrick (Barnaby Metschurat) und Karoline (Carina N. Wiese) sowie der Enkelin Yvonne (Leonie Benesch) nicht verborgen bleibt. Doch rechtzeitig vor Yvonnes Abiturfeier nähern sich die Ehepartner wieder aneinander an - mit überraschenden Konsequenzen.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Warum reingegangen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wegen des Themas selbstbestimmtes Sterben und wegen der Ehekonflikte, die auch nach der Goldenen Hochzeit noch auftauchen können.&lt;br&gt;
Und wegen Senta Berger und Bruno Ganz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Ist die Story gelungen?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aber hallo!&lt;br&gt;
Die Krise, die sich entzündet, als Anita Freds heimlichen Wohnungskauf entdeckt, ihr gekränktes, teilweise trotziges Verhalten (auch sie kauft sich eine eigene Wohnung in einer Altenresidenz), die vorsichtige Wiederannnäherung, ein erfülltes Eheleben auch (oder gerade) im fortgeschrittenen Alter mit den Freiheiten, die eine immer beschränkter werdende Restlebenszeit mit sich bringt, und schließlich das auf den ersten Blick überraschende, nach kurzem Überdenken aber folgerichtige Ende - alles sehr realistisch und konsequent durchgeführt. Auch die Spiegelung von Anitas und Freds gesetzten Lebensumständen durch Yvonne, die als Abiturientin gerade ihr Leben beginnt, ist großartig integriert. Die Atmosphäre ist weit von &quot;Liebe im Alter&quot;-Filmen wie &quot;Elsa und Fred&quot; oder &quot;Wolke 9&quot; entfernt.&lt;br&gt;
Einzige kleine Mäkelei: Die Beziehung zwischen Fred und seiner früheren Sekretärin Frau Kramer wirkt etwas lieblos angeflanscht.&lt;br&gt;
Felix zu Knyphausen und Sophie Heldman, die auch Regie führte, haben ein rundes, ausgereiftes Drehbuch abgeliefert. Auf solch einer Basis entstehen Meisterwerke.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wie schlagen sich die Schauspieler?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die beiden Hauptdarsteller liefern eine begeisternde Leistung ab. Senta Berger als Anita und Bruno Ganz als Fred spielen das gut situierte, durch viele Krisen gefestigte und gereifte Ehepaar unprätentiös und total unauffällig. Aber was sie mit kleinen Gesten und kaum wahrnehmbaren mimischen Nuancen auf die Leinwand bringen, ist die bunte Vielfalt menschlicher Gefühle. Manchmal sagt ein Blick (oder die Verweigerung eines Blickkontakts) mehr als ein minutenlanger Dialog. Besonders beeindruckend: die Schlusssequenz, als sie sich zum gemeinsamen Selbstmord noch einmal in Schlips und Kragen bzw. das &quot;kleine Schwarze&quot; hüllen als würden sie zur Oper gehen. Das ganze mit einer Mischung aus unterkühlter Feierlichkeit, Geschäftsmäßigkeit und Ergebenheit gespielt - irre!&lt;br&gt;
Wichtige Erkenntnis: Auch die gereifte Senta Berger hat nichts von ihrer sinnlichen Ausstrahlung verloren.&lt;br&gt;
Die Nebenfiguren fallen neben diesen beiden Giganten leider etwas ab. Vor allem, weil das Drehbuch sich kaum für sie interessiert und sie auf Reibeflächen und Stichwortgeber für die Hauptpersonen reduziert. Einzig Leonie Benesch als 19jährige Yvonne darf etwas mehr zeigen. Und die Chance nutzt sie: ein Mädchen an der Grenze zum Erwachsensein, die zwischen Keßheit, Lebenslust und Angst vor der eigenen Courage changiert. Sie will viel, erlaubt sich aber nicht immer, sich auch alles zu trauen. Die Szene, als sie ihre Großeltern besucht, um mal eben in den ansonsten ungenutzten Pool zu springen - das hat was!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Verstehen die Filmemacher ihr Handwerk?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Aber hallo!&lt;br&gt;
Allein der Location Scout hat sich eine Auszeichnung verdient. Vor allem das Anwesen von Anita und Fred ist punktgenau gewählt: ein großzügiges, unterkühlten Wohlstand ausstrahlendes Haus in einem entsprechenden Garten mit Pool, aber alles nicht mehr ganz neu, erste Abnutzungsspuren zeigen sich und man merkt, dass die derzeitigen Bewohner fast schon mit der Pflege überfordert sind. Besser kann man den Zustand ihrer Ehe kaum visualisieren.&lt;br&gt;
Dazu all die Feinheiten bei Fotografie, Beleuchtung und Kameraführung, der zurückhaltende Soundtrack, die punktgenau ausgewählten Kostüme und Requisiten - besser geht es kaum!&lt;br&gt;
Man muss schon darauf achten; der Film kommt unprätentiös und leise daher. Aber die Details sagen alles!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel nicht?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Da muss ich lange suchen.&lt;br&gt;
Vielleicht die zurückhaltende Behandlung der Beziehung von Anita und Fred zu ihren Kindern. Und der Handlungsstrang zwischen Fred und seiner früheren Sekretärin Frau Krämer, der etwas stiefmütterlich gestaltet wurde und kaum etwas Erhellendes zum Film beiträgt.&lt;br&gt;
Das war&#039;s dann aber auch schon!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was gefiel?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Alles andere!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Irgendwas Bemerkenswertes (Zitat, Szene etc.)?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Jede Menge kleine Details! Der Film arbeitet mit zurückhaltenden, aber feinen Mitteln.&lt;br&gt;
Wenn ich mich für etwas entscheiden muss: Wie die Großeltern sich auf Yvonnes Abifeier auf die Tanzfläche stürzen und dort noch einmal richtig abhotten!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Was nimmt man aus dem Film mit ins richtige Leben?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Wir haben alle zu wenig Knete für eine Zweitwohnung.&lt;br&gt;
Und: Alter schützt vor Gefühlen nicht. Aber auch nicht vor vernünftigen Entscheidungen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Noch was?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Die Aufführung im Kino &quot;Neues Rottmann&quot; wurde durch eklatante Probleme beim Filmrollenwechsel beeinträchtigt: mindestens dreimal zeigte sich ein schwarzer Balken auf der Leinwand, beim letzten Mal musste sogar eine Zuschauerin den Saal verlassen, um dem Vorführer bescheid zu geben.&lt;br&gt;
Trotzdem konnte der Film eine tiefe Wirkung entfalten. Ein weiterer Beleg für meine oft gemachte Erfahrung: Ein guter Film wirkt auch in einem miesen Kino.&lt;br&gt;
In diesem Fall behauptete er sich sogar gegen technische Sabotageversuche.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Der Film in einem Satz?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
Eine tiefe, feinsinnige Studie über Liebe im Alter und das Recht auf ein würdiges Lebensende mit zwei brillanten Hauptdarstellern Senta Berger und Bruno Ganz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wertung?&lt;/b&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src=&quot;http://ralvieh.kulando.de/gallery/6917/previews-med/9stars.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;b&gt;9&lt;/b&gt; von &lt;b&gt;10&lt;/b&gt; Fotos, die aus Büchern fallen
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/16/film-check-04-2011-satte-farben-vor-schwarz</link>
   <comments>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/16/film-check-04-2011-satte-farben-vor-schwarz</comments>
   <guid>http://Ralvieh.kulando.de/post/2011/02/16/film-check-04-2011-satte-farben-vor-schwarz</guid>
      <dc:creator>Ralvieh</dc:creator>
      
    <category>Kino</category>
      
    <category>Film-Check</category>
         <pubDate>Wed, 16 Feb 2011 14:00:27 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.kulando.de/rss.php?blogId=6917&amp;profile=rss20">Ralviehversum - Was so hängenbleibt</source>
     </item>
   </channel>
</rss>